Ich bin überzeugt, dass einige Radsportler verbotene Substanzen nehmen. Ich habe dies in meiner eigenen Karriere schon erlebt. Ich musste teilweise das Zimmer mit Fahrer teilen welche ihren Körper richtiggehend ruinierten. Ich bin aber überzeugt, dass gute Leistungen ohne Doping möglich sind. Während meiner Sport-Karriere kann ich mit gutem Gewissen behaupten, nie verbotene Substanzen genommen zu haben. In diesem Zusammenhang ist es für nicht Spitzensportler wichtig zu wissen, dass Radsportler sehr wohl wissen was Doping ist, die Wirkung und Nebenwirkung der fraglichen Produkte meistens seriös abklären und verbotene Substanzen mit grosser fachlicher Kompetenz erkennen. Dies ist wichtig um überhaupt seriös Spitzensport zu betreiben.
Das Problem liegt meiner Meinung nach nicht alleine bei den Fahrern, sondern auch bei den Verantwortlichen sowohl auf der Seite der Verbände, als auch bei den Organisatoren.
Das zur Zeit brennendste Thema ist das EPO. Es gibt einige Leute welche kein EPO brauchen und trotzdem relativ hohe Hämatokit Werte besitzen. Solche Fahrer sind aber in der Minderheit, sie brauchen kein EPO, sie haben eine erhöhe Ausdauerleistungsfähigkeit und sind gegenüber normalen Rennfahrern bevorteilt. Dass die demnach benachteiligten zu Möglichkeiten greifen, welche Ihre Leistung an diese Fahrer angleichen ist verständlich. Die Reglemente müssten aber gerechter sein. Wenn Hämatokrit -Werte als Grenzwerte vorgegeben werden (bei den Herren 50%) hat man bei einer Rundfahrt mit einem Wert von 40% keine Chance. Wenn aber während der Rundfahrt von 3 Wochen nicht mit Mitteln nachgeholfen wird, so ist bedingt durch die Intensive Leistung gegen Ende einer 3-wöchigen Rundfahrt der Wert automatisch ca. 10 Punkte tiefer, auch bei den von Natur aus bevorteilten. Die Reglemente (verlangen) begrenzen aber immer 50%. Einen Dopingmissbrauch durch EPO konnte in der Vergangenheit nur bei den Dummen nachweisen welche sich erwischen liesen. Fahrer welche nicht mit höheren Werten als zulässig erwischt werden sind nur durch aufwendige (nicht übliche) Untersuchungen zu überführen. Ich persönlich erachte es als Unsinn EPO als Produktspezifikation in der Dopingliste zu führen, ohne die geeignete Nachweismethode zu besitzen. Es ist aber sicher sinnvoll den Hämatokrit -Wert zu begrenzen. Dies dient im besonderen der Gesundheit der Fahrer, und beugt anderen noch viel dümmeren und unethischeren Massnahmen vor. Es gibt durchaus denkbare Möglichkeiten die roten Blutkörperchen mit anderen Massnahmen als durch EPO spritzen zu erhöhen. Leider sind wie eingangs erwähnt die Verantwortlichen schneller bereit, Sanktionen zu ergreifen, als gerechte Reglemente auszuarbeiten und durchzusetzen. Fairen Sport heisst nämlich auch, dass alle gleich behandelt werden. In den Dopinglisten ist auch Koffein als Produkt enthalten. Damit dies Sinn macht wurde ein Grenzwert angegeben. Das bedeutet einen Kaffee darf man trinken ohne sanktioniert zu werden. Als anfangs 1998 im Radsport die Hämatokritwerte begrenzt wurden, weil man EPO bis dahin nicht nachweisen konnte, so wurde dies bei den Spitzenfahrern als faktische Legalisierung des EPO verstanden. Hier haben es die Verantwortlichen klar versäumt auf die effektiven Tatsachen hinzuweisen.
Ungeachtet der Problematik haben Dopingkontrollen ihren Sinn, da sie durch die damit verbundene Diskussion auf die begrenzte Wirksamkeit der einzelnen Substanzen aufmerksam machen und damit verdeutlichen, dass individuelle Höchstleistungen letztlich doch nur durch eine entsprechende Trainingsarbeit und nicht durch die Einnahme einer vermeintlichen "Wunderdroge" erreicht werden können.
Das Dopingverbot wie wir es heute kennen versucht den ethischen Grundsätzen, sportpsychologischen- und sportpädagogische Argumenten gerecht zu werden. Die wichtigste Grundlage des Dopingverbotes liegt aus sportmedizinischer Sicht sicher in der potentiellen Gefährdung der Gesundheit der Sportler.
Um Glaubwürdig zu bleiben müssen also zukünftige Verbote oder Gesetze welche das Doping betreffen auf diese Argumente Rücksicht nehmen. Das EPO Problem ist nur ein Punkt in dieser Geschichte. Gerade in Hinblick auf die Gefährdung der Gesundheit müssen kompetente Leute mit dieser Aufgabe betraut werden, denn was in der letzten Zeit für falsche Aussagen auf diesem Gebiet gemacht wurden, lässt an der Glaubwürdigkeit von Ärzten zweifeln. Gerade diese Berufsgruppe müsste sich aber um die gesamte Problematik bemühen, den sie sind die wahren Sünder in der Vergangenheit. Dass die Justiz in Frankreich Ihre Gesetze durchsetzt ist richtig. Aber sind Gesetze sinnvoll, wenn nicht alle gleichzeitig kontrolliert werden? Müssten nach diesen Gesetzen nicht auch in gewissen Cheffetagen Kontrollen durchgeführt werden? Doping ist nicht ein Wort welches nur im Sport Verwendung findet! Jeder Mensch welcher Doping nimmt ist gedopt!
Was die Gesetzgebung anbelangt muss man sich in der heutigen Gesellschaft die Frage stellen "Was wollen wir eigentlich" Gerechtigkeit, Fairness und Ethik sollten die Eckpfeiler der Gesetze sein. Aber diese Schlüsselworte werden von allen Menschen anders Interpretiert. Medikamente dürfen aus ethischen Überlegungen nur aus Medizinisch indizierten Gründen verabreicht werden. Müsste man demnach alle Ärzte welche Schönheitsoperationen oder prophylaktische Massnahmen treffen oder Forschung betreiben einsperren? Konsequenterweise schon, denn Sportärzte welche bereit sind Medikamente einzusetzen um die Gesundheit eines Sportlers zu erhalten sind in den Augen der Dopinggesetze, und der Öffentlichkeit Verbrecher. Wo hier Ethisch richtige Ansätze sind, welche vom Fairness-Prinzip gestützt werden, lässt sich einfach sagen. Mit Sicherheit können die oberflächlichen Presse-Berichte seit Juli 1998 nicht zu einem solchen Ansatz beitragen. Eine Kommission aus Personen welche mit der Problematik vertraut sind, würde sicher Lösungen erbringen, welche dem Sport das Ansehen zurück bringt. Eine solche Kommission müsste aber auch dem Gleichberechtigungs- Prinzip folgend wirtschaftliche Zusammenhänge berühren und dies dürfte den Politikern sicher missfallen, wenn man dabei an die Wettbewerbsgesetze denkt. Aus diesem Grund stellt sich wieder einmal die Forderung, dass die Sportinteressierten eine stärkere Lobby in der Politik haben müssten, um wirkliche Veränderungen durchzusetzen.
Daniel Müller
im Juli 1998
Diesen Bericht ist aus der heutigen Sicht nicht mehr ganz zeitgemäss.
Koffein wurde von der Dopingliste gestrichen, dies ist sicher sinnvoll. EPO kann als Produkt nachgewiesen werden. Auch das ist sinnvoll. Aber es können noch immer nicht alle Methoden zur Knochenmarkstimulation, welche für die Produktion der roten Blutkörperchen verantwortlich ist nachgewiesen werden.